Masters of the Universe
Directed by Travis Knight
Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Jared Leto, Alison Brie, Idris Elba
“He-Man hat endlich die Macht, aber das Drehbuch reisst schon Witze darueber, bevor irgendjemand im Saal die Gelegenheit bekommt.”

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The Review
Hollywood brauchte fast vierzig Jahre, um He-Man zurueck auf die grosse Leinwand zu zerren, und verschliss dabei Regisseure wie Skeletor seine Handlanger. Das Ergebnis dieses Entwicklungsfegefeuers ist, kleines Wunder, ganz ordentlich. Travis Knight, der Mann, der mit Bumblebee den einzigen Transformers Film mit Puls gedreht hat, versteht den Auftrag offensichtlich: Nimm eine Marke, die als dreissigminuetiger Spielzeugwerbespot geboren wurde, und finde den Menschen unter den Brustmuskeln. Nicholas Galitzine spielt Prinz Adam als entwurzelten Golden Retriever, fuenfzehn Jahre auf der Erde gestrandet, bevor das Zauberschwert ihn heim nach Eternia zieht, das unter Skeletors Herrschaft verrottet. Das Geruest eines wirklich guten Fantasyfilms ist komplett vorhanden, mit sichtbarer Zuneigung zusammengebaut. Das Problem: Das Drehbuch stolpert pausenlos ueber die eigenen Pointen.
Die Besetzung ist absurd ueberqualifiziert. Idris Elba verleiht Man-At-Arms echte Schwere, Camila Mendes macht aus Teela deutlich mehr als eine Sidekick-Figur, und Alison Brie spielt Evil-Lyn, als wuerde sie fuer einen besseren Film vorsprechen. Und dann ist da Jared Letos Skeletor, eine Darbietung, die zwischen echt bedrohlich und Halloween-Special der Laienbuehne pendelt, manchmal innerhalb derselben Szene. Das groessere Problem ist die krankhafte Angst des Drehbuchs vor Stille. Jeder emotionale Moment, jeder Anflug von Ehrfurcht, jeder Funke von Fallhoehe wird sofort mit einem Spruch entschaerft, als waeren die vier Drehbuchautoren vertraglich verpflichtet, pro Seite einen Witz zu landen. Wenn ein Film ueber ein Zauberschwert und einen Schaedelzauberer der eigenen Aufrichtigkeit nicht traut, merkt das Publikum das.
Und doch: Wenn Knight Regie fuehren darf, statt das Witzekontingent zu verwalten, singt der Film. Eternia sieht hinreissend aus, eine malerische Spielzeugkiste voller unmoeglicher Tuerme und verchromter Bestien, die der Vorlage endlich gerecht wird. Die erste vollstaendige Verwandlung, Schwert erhoben, Blitze krachen, ist ein echter Gaensehautmoment, der die vierzig Jahre Wartezeit rechtfertigt, und die Kinder in meiner Vorstellung schwebten fast. Die Sonnenseite ist real: Das ist ein aufrichtiger, schoener, stellenweise mitreissender Blockbuster, der seine alberne Vorlage genug liebt, um etwas Wahres darin zu finden. Wenn die unvermeidliche Fortsetzung zwei Autoren feuert und der Stille vertrauen lernt, koennte He-Man tatsaechlich das Franchise werden, fuer das Amazon bezahlt hat. Die Macht ist da. Sie muss nur aufhoeren, sich zu entschuldigen.
What It Nails
- +Galitzines aufrichtiger, selbstironischer Charme macht einen Himbo in Fellhose wirklich sympathisch.
- +Travis Knights malerisches Eternia gibt der Spielzeugreihe endlich eine Welt, die es zu retten lohnt.
- +Die Verwandlungsszene liefert die Gaensehaut, die vierzig Jahre ueberfaellig war.
- +Idris Elba und Camila Mendes erden den Unsinn mit echter Waerme.
What It Botches
- -Auf jedem emotionalen Moment landet ein Witz wie eine Fliege auf der Hochzeitstorte.
- -Jared Letos Skeletor kann sich nicht zwischen furchteinfloessend und Pantomimen-Boesewicht entscheiden.
- -Die fuenfzehn Jahre Vorgeschichte auf der Erde werden abgehakt wie eine Pflichtaufgabe.
- -Vier Drehbuchautoren, ein Ton, und es ist die halbe Laufzeit lang der falsche.

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Who It's For
Abtruennige Achtzigerjahre-Kinder und ihr eigener Nachwuchs, die einen lauten, aufrichtigen Samstagmorgen-Cartoon zu Kinopreisen wollen.
Who Should Skip
Alle, die auf dramatische Fallhoehe hoffen, die laenger ueberlebt als die Pause bis zum naechsten Spruch.
Marketing Roast
Amazon MGM vermarktete das wie eine feindliche Uebernahme der eigenen Kindheit: nostalgiegetraenkte Trailer, die jedem, der je ein Plastikschwert besass, 'I have the power' entgegenbruellen, ein Synergie-Flaechenbombardement quer durch Prime, das He-Man-Schauen wie eine Prime-Day-Pflicht wirken liess, und eine Pressetour, auf der alle so oft 'heart' sagten, dass das Wort jede Bedeutung verlor. Die Trailer verkauften zudem einen deutlich witzigeren Film als die epische Fantasy des Plakats, also fuehlten sich beide Zielgruppen leicht betrogen. Trotzdem: Die Gen Z fuer einen Spielzeugwerbespot von 1982 zu begeistern, ist eine echte Leistung. Der Algorithmus hat die Macht, offenbar.

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