Wie man eine Argumentation aufbaut (und wie auf keinen Fall)
Ein Argument ist kein Thema, über das man ein Synonymwörterbuch gelegt hat.
Jeder lernt, einen Aufsatz zu schreiben, so wie jeder schwimmen lernt: reingeworfen, zappelnd, überzeugt, dass mehr Wörter weniger Ertrinken bedeuten. Heraus kommt ein Text mit Anfang, Mitte, Ende und nirgends einem Argument.
The Full Truth
on Der argumentative Aufsatz eines Erstsemesters
Deine These lautet 'dieses Thema ist sehr wichtig und hat viele Seiten.' Ein Dreieck auch, und das brauchte keine 1.400 Wörter.
- 01
Die These weigert sich, Position zu beziehen
Critical'Es gibt viele Faktoren zu sozialen Medien zu bedenken' ist eine Beobachtung, keine Behauptung. Wähl eine Seite, für die ein Mitschüler mit dir streiten würde, und gewinn diesen Streit den ganzen Aufsatz lang.
- 02
Ein Beleg taucht auf und wird dann fallen gelassen
CriticalEine Statistik von 2019 wird am Ende des dritten Absatzes hingeworfen und nie erklärt. Füg nach jedem Zitat einen Satz hinzu: 'Das zählt, weil...' Kannst du diesen Satz nicht schreiben, gehört dir das Zitat noch nicht.
- 03
Kein Gegenargument, also ist eigentlich nichts bewiesen
NotableDu argumentierst nur gegen Leute, die dir ohnehin zustimmen. Finde den stärksten Einwand, gib ihm einen fairen Absatz, und zerleg ihn dann. Da steckt die Note drin.
Seit Anbeginn der Zeit sind soziale Medien ein Thema, zu dem viele Menschen starke Meinungen haben, und es gibt viele Seiten zu bedenken.
Schulen sollten Handys während der Unterrichtszeit verbieten, denn dasselbe Benachrichtigungsdesign, das Erwachsene süchtig macht, war nie für die Hosentasche eines Dreizehnjährigen während des Algebra-Unterrichts gedacht.
Eine Studie zeigte, dass Jugendliche viel soziale Medien nutzen, was eine interessante Tatsache über die heutige Gesellschaft ist.
Eine Pew-Umfrage von 2019 ergab, dass 45 % der Jugendlichen 'fast ständig' online sind. Das ist keine Nutzungsstatistik. Das ist eine Aufmerksamkeitsökonomie, die ein sich entwickelndes Gehirn wie Lagerware behandelt, und genau deshalb müssen die Klassenregeln sich ändern.
- 1Schreib die These als einen Satz um, dem jemand öffentlich widersprechen könnte. Überlebt er ein 'stimmt doch gar nicht', behalt ihn.
- 2Gib jedem Hauptabsatz einen Themensatz, der seine Behauptung nennt, und streich dann jeden Satz, der dieser Behauptung nicht dient.
- 3Füg einen echten Gegenargument-Absatz hinzu, großzügig geschrieben, und widerleg ihn dann mit deinem besten Beleg.
- 4Streich den zusammenfassenden Schluss und ersetz ihn durch ein 'na und?': was sich ändert, wenn du recht hast, und wen das angehen sollte.
That was a stranger's paper / essay. Drop yours, I will go just as hard.
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Ein guter argumentativer Aufsatz tut eine demütigende Sache: Er legt sich fest. Er sagt etwas, dem ein vernünftiger Mensch widersprechen könnte, und macht das Widersprechen dann schwerer. Alles andere ist Dekoration, und nach Dekoration greift man, wenn man nichts zu verteidigen hat. Glaubst du, du überlebst ein genaues Lesen? Die meisten nicht.
- 01Stell eine These auf, die ein kluger Mensch ablehnen könnte. Kann niemand widersprechen, hast du eine Wikipedia-Zusammenfassung geschrieben, kein Argument.
- 02Gib jedem Absatz eine Aufgabe und stell diese Aufgabe in den ersten Satz. Der Leser soll die Behauptung vor dem Beleg kennen.
- 03Mach die Gegenseite so stark wie möglich und zerleg sie dann. Die besten Aufsätze schlagen den stärksten Einwand, nicht den dümmsten.
- 04Lass den Beleg sich seinen Platz verdienen: zitiere, und erkläre dann, warum er deinen Punkt beweist, nicht nur, dass er zufällig daneben steht.
- 05Schließ ab, indem du den Einsatz erhöhst, nicht zusammenfasst. Der letzte Absatz beantwortet das 'na und?', er wiederholt nicht den ersten.
- Mit 'Seit Anbeginn der Zeit hat die Menschheit schon immer...' zu beginnen, um die Stille zu füllen, wo eine These stehen sollte.
- Der Fünf-Absatz-Autopilot: drei Gründe, keine Verbindung dazwischen, und ein Schluss, der nur 'zusammenfassend' sagt und in Panik gerät.
- Ein Zitat abladen und dann davonlaufen, als würde sich der Beleg von selbst analysieren.
- Eine These so sicher, dass sie eine Tatsache ist: 'Soziale Medien haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen.' Glückwunsch, du hast alles beschrieben.
- Dich hinter 'viele Menschen glauben' und 'Studien zeigen' zu verstecken, weil zu nennen, wer und welche Studie, voraussetzen würde, sie gelesen zu haben.